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	<title>Jennifer Braun, Autor bei Crisp Magazin</title>
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	<description>Junges, kritisches Kunstmagazin – herausgegeben von ato</description>
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		<title>Kunst in Kosovo: die 5. Autostrada Biennale</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jennifer Braun]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Aug 2025 16:21:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Genauso wie das Autobahnnetz befindet sich auch die institutionalisierte Kunstwelt der jungen Republik Kosovo im Aufbau: Als erste zeitgenössische Kunstinstitution in Prizren findet mit der Autostrada Biennale seit 2017 alle zwei Jahre eine Ausstellung statt, bei der internationale und lokale Positionen zeitgenössischer Kunst aufeinandertreffen. Die Locations und die Energien begeistern. Und die Kunst? Jennifer – The Gen-Z-Art-Critic – Braun hat sich in den ehemaligen Bundeswehr-Hangars und den Souvenirshops umgesehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/kunst-in-kosovo-autostrada-biennale/">Kunst in Kosovo: die 5. Autostrada Biennale</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="10327" class="elementor elementor-10327" data-elementor-post-type="post">
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									<p><b>Die Diaspora kommt heim</b></p><p><span style="font-weight: 400;">Im albanischen Radio hörte ich den Namen Dua Lipa heraus. „Sie wird hier ein Konzert geben“, übersetzte mir der Taxifahrer auf Englisch, während wir über die Autostrada von Tirana nach Prizren fuhren. Zwischen den sich in der Nacht immer weiter verhüllenden grünen Hängen und Bergen Albaniens und Kosovos zeigten sich nur sporadisch Häuser. Die Tankstellen und Obststände am Straßenrand waren von grellen Scheinwerfen geflutet, so als befänden sie sich auf einer Bühne. An einer Tankstelle standen in Hollywood-Typografie große Buchstaben: </span><i><span style="font-weight: 400;">NEWBORN</span></i><span style="font-weight: 400;">. </span><i><span style="font-weight: 400;">Jedes Land hat wohl seine eigene Art, Nachwuchs zu verkünden</span></i><span style="font-weight: 400;">, dachte ich, bis mich der Taxifahrer auf das X-te Schweizer Autoschild aufmerksam machte. „Das ist die Diaspora“, sagte er freudig. „Alle kommen jetzt nach Hause.“</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Die Autostrada Biennale beginnt im Juli immer eine Woche bevor die Diaspora für etwa drei Wochen nach Prizren kommt. In dieser Zeit ist die Stadt dreimal so voll wie über den Rest des Jahres. Familientreffen und Hochzeiten finden statt, erzählte mir Leutrim Fishekqiu, einer der drei Gründer*innen der Biennale. Das erklärt die unzähligen Brautkleidergeschäfte in dieser kleinen Stadt. Die Luft riecht nach Barbeque, die Restaurants sind rappelvoll und bis spät in die Nacht sind Familien und junge Leute unterwegs. Ganz selbstverständlich in dieses Treiben sind das sich zum vierzehnten Mal stattfindende DokuFest und die Autostrada Biennale verflochten. Unaufdringlich, aber als Angebot. So übernimmt die Biennale die Restaurierung historischer Gebäude und macht sie erstmals im Rahmen der Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich. Diesmal gehören zwei historisch wichtige Familienhäuser sowie das Gazi Mehmet Pasha Hammam dazu.</span></p>								</div>
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									<p>Ein Teppich aus Jerusalemer Kräutern im Haus der Dorambari Familie. © <span style="font-weight: 400;">Laurent Mareschal, </span><i><span style="font-weight: 400;">Beiti </span></i><span style="font-weight: 400;">(2010). Foto: Tughan Anit.</span></p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Neben den über das Stadtzentrum verteilten Ausstellungsorten stellen die Hangars die größte Ausstellungsfläche dar. Einst militärisches Trainingszentrum der osmanischen Armee und später der Deutschen Bundeswehr, befinden sich dort nun Firmen und seit 2021 der Kern der Autostrada Biennale, die vor 11 Jahren als nomadisches Experiment begann. Die drei Gründer*innen Vatra Abrashi, Leutrim Fishekqiu und Barış Karamuço sind selbst in Prizren geboren und aufgewachsen und leiten die Institution seither. Ein Gegenpol zur Hauptstadt Prishtina, wo sich die künstlerische Szene eher sammelt. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Die Biennale kooperiert ständig mit anderen Institutionen, vermittelt Kontakte zu Wissenschaftler*innen, stellt eigene Räume und Ressourcen zur Verfügung. Ich war eingeladen von der nomadischen KONTAKT Sammlung, die sich besonders für osteuropäische Kunst in- und außerhalb Osteuropas einsetzt. In Kooperation mit DokuFest und der Autostrada Biennale zeigten sie Künstler*innenfilme der Sammlung (darunter Größen wie Sanja Iveković, Anna Jermolaeva und Milica Tomić), sowie eigens produzierte Künstler*innenporträts im Rahmen des öffentlichen Biennale Programms. DokuFest-Artistic-Director Veton Nurkollari wählte Porträts von Personen, die auch selbst Filme mach(t)en, wie die Künstlerin Ashley Hans Scheirl und der Filmkritiker Alexander Horwath. Die Künstler*innenfilme habe ich leider verpasst, dafür einige andere Screenings des DokuFests mitgenommen.</span></p><p><b>Raus in die Welt, die Welt rein lassen</b></p><p><span style="font-weight: 400;">So sehr mich das Engagement dieser Institution in der Stadt auch begeistert, so sehr hadere ich mit der Ausstellung. Ich will am liebsten schreiben, dass es toll war, dass ich spannende neue Positionen entdeckt habe und mich von der künstlerischen Qualität überzeugt habe. Leider war das eindrucksvollste der Biennale ihre Locations. </span></p>								</div>
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									<p style="text-align: center;">Archäologische Installation von Dorutina Kastrati im ehemaligen Hammam. Foto: Tughan Anit.</p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Die Autostrada Biennale zieht durchaus bekannte Namen an Land: Bei vergangen Editionen waren Künstler*innen wie Agnes Denes, Nil Yalter, IRWIN und Petrit Halilaj &amp; Alvaro Urbano dabei. Die in frühen Editionen vertretenen Jakup Ferri und Iva Lulashi haben 2022 und 2024 auf der Venedig Biennale Nationalpavillons bespielt. Dorutina Kastrati, die letztes Jahr den Kosovo auf der Venedig Biennale vertrat, bekam dafür eine Special Mention verliehen – sie war auch bei der ersten Edition der Autostrada Biennale vor 11 Jahren dabei. Hier in Prizren schuf sie diesmal eine Arbeit für das Frauenabteil des kürzlich restaurierten Hammams: Sie arrangierte dafür Scherben und Überreste der bei den Bauarbeiten gefundenen Gegenstände aus der Betriebszeit des Hammams. Mehr als ansprechende archäologische Präsentation sah ich darin jedoch nicht. Weiter hinten ist eine Textilarbeit von Stephanie Rizaj, </span><i><span style="font-weight: 400;">Blinded Tongues </span></i><span style="font-weight: 400;">(2025), installiert. Auf einem Holzgerüst hängen vergrößerte Kleidergrößen-Labels und Teppiche. Letztere sind im Muster von Schallwellenbalken gewoben. Ich höre, wie ein Guide erklärt, dass sie den Stimmlosen so eine Stimme geben will. Naja, etwas mau das Ergebnis. Rivane Neugeschwander adaptierte mit </span><i><span style="font-weight: 400;">Eu desejo o seu desejo (I wish your wish) </span></i><span style="font-weight: 400;">(2003) eine kirchliche Praxis aus Brasilien als Kunstwerk: Bunte Bändchen mit aufgedruckten Wünschen baumeln an der Wand. Man nimmt sich eins, bindet es ans Handgelenk und lässt im Gegenzug einen eigenen Wunsch auf Papier da. Wenn sich das Bändchen natürlich löst und auf den Boden fällt, gehe der Wunsch in Erfüllung. Zum Glück fiel meins im Laufe des Tages. Süß, aber Yoko Ono hat sowas schon vor Jahrzehnten mit ihren </span><i><span style="font-weight: 400;">Wish Trees </span></i><span style="font-weight: 400;">(1996–heute) gemacht. </span></p>								</div>
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									<p style="text-align: center;">© Armend Nimani, <em>Circumcision</em> (2025). Foto: Tughan Anit.</p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Positiv aufgefallen ist mir Armend Nimani mit seinen dokumentarischen Fotografien zur Kultur und Geschichte Kosovos und Albaniens. Ein Bild seiner </span><i><span style="font-weight: 400;">Circumcision </span></i><span style="font-weight: 400;">(2025) Serie hält zwei Männer beim balkanischen Pelivan Wrestling fest. Das Öl tropft von ihren verschlungenen, geradezu tänzerisch schwebenden Körpern. Im Haus der Dorambari Familie verlegte Laurent Mareschal mit </span><i><span style="font-weight: 400;">Beiti </span></i><span style="font-weight: 400;">(2010) einen Teppich aus Jerusalemer Kräutern im Muster arabischer Fliesen. Ein Luftstoß und die Linien würden verschwinden. Ebenfalls dort präsentiert Small But Dangers mit </span><i><span style="font-weight: 400;">Tears</span></i><span style="font-weight: 400;"> (2015) drei Stofftaschentücher, wie Männer sie traditionell in der Sakkotasche tragen. Aufgespannt erinnern sie mich an Josef Albers Quadrate, ein wenig auch an Rosemarie Trockel. Viel wichtiger jedoch sind die sichtbaren Nutzungsspuren, die Tränen und Flecken. Ob die Besitzer sie nicht auch selbst genutzt hatten? Im wörtlichen Sinne eine Auseinandersetzung mit angespannten Männlichkeitsvorstellungen. Draußen zwischen den Hangars steht Nathan Coleys Lichtschriftzug </span><i><span style="font-weight: 400;">I Don’t Have Another Land </span></i><span style="font-weight: 400;">(2022). Den Satz hatte er als Graffiti in Jerusalem gesehen. Eine Wahrheit, die sowohl auf die israelische als auch auf die palästinensische Bevölkerung zutrifft. Eine, die auch an die geflüchteten Kosovar*innen während des Kriegs erinnert. </span></p>								</div>
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									<p style="text-align: center;">© Small But Dangers, <em>Tears</em> (2015). Foto: Tughan Anit.</p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Die Hangars der Biennale produzieren so viel wie möglich in der hauseigenen Werkstatt. Über die Hälfte der Ausstellungsmöbel vergangener Editionen wird wiederverwendet. Seit September 2024 gibt es ein Open Air Theater sowie ein Residency-Programm für teilnehmende Künstler*innen. Einen Teil der gerade ausgestellten Gemälde hat der Künstler Brilant Milazimi so unmittelbar vor Ort produziert. „Es ist teuer, Arbeiten über die Grenzen zu bekommen, gerade weil wir nicht Teil der EU sind“, erklärte mir Barış. „Und wir schicken immer wieder Leute nach Europa, um unsere Kooperationen zu stärken.“ – „Nach Europa?“, fragte ich etwas verblüfft. „Naja, wir waren lange von Europa abgeschnitten. Kosovar*innen durften bis vor knapp zwei Jahren nur nach Albanien, Nordmazedonien und in die Türkei reisen. Es ist noch ungewohnt, sich als Teil von Europa zu verstehen.“ Die Menschen im Kosovo können endlich raus und die Welt sehen, die diesjährige Edition solle der Welt Kosovo zeigen.&nbsp;</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kurz vor meiner Abreise schaute ich bei einem Souvenirshop vorbei. Dort sah ich Magneten und Anhänger, erneut mit jenem Wort: </span><i><span style="font-weight: 400;">NEWBORN</span></i><span style="font-weight: 400;">. Ich fragte die junge Verkäuferin, ob Baby Announcements dieser Art hier so ‘n Ding seien. Sie schüttelte lächelnd den Kopf: „Der Slogan steht für unser junges Land, die politische Geburt Kosovos.“ Es bleibt für mich kaum greifbar, dass die Autostrada Biennale fast so jung wie dieses Land ist. Ich nickte und bedankte mich. Dann ging es für mich zurück nach Tirana über die lange Autostrada.</span></p>								</div>
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									<p style="text-align: center;">© Nathan Coley, <em>I don&#8217;t have another land</em> (2022). Foto: Tughan Anit.</p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/kunst-in-kosovo-autostrada-biennale/">Kunst in Kosovo: die 5. Autostrada Biennale</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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		<title>Wie Gott uns erschaffen hat – Das Märchen der vermeintlich unsexistischen Nacktheit</title>
		<link>https://ato.vision/magazine/wie-gott-uns-erschaffen-hat-das-maerchen-der-vermeintlich-unsexistischen-nacktheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jennifer Braun]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 May 2025 08:36:27 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Venus Medici]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einem Berliner Behördengebäude stand bis vor kurzem die Bronzeskulptur einer Venus Medici, vermutlich aus dem späten 18. Jahrhundert. Dass sie nun aus Gründen der Gleichberechtigung entfernt wurde, finden so manche skandalös und wittern das Diktat des woken Wahnsinns! Jennifer Braun wittert hier etwas ganz anderes..<br />
Lesezeit: 9 Minuten</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/wie-gott-uns-erschaffen-hat-das-maerchen-der-vermeintlich-unsexistischen-nacktheit/">Wie Gott uns erschaffen hat – Das Märchen der vermeintlich unsexistischen Nacktheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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									<p>Breaking News: Die Venus Medici im Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen in Berlin wurde entfernt! Und die wilden Kerle mittleren Alters von <i>Welt</i>, <i>Bild</i> &amp; Co. zerreißen sich schon die Mäuler darüber. Keine Sorge, ganz weg ist sie nicht: Nun ist unser Girl Venus im Grassi Museum in Leipzig zu sehen. Und wenn ihr genauso wie ich bis vor kurzem noch nicht wusstet, dass in den Hallen der Berliner Behörden überhaupt eine Venus-Skulptur gestanden hat, dann ist sie immerhin ein klein wenig bekannter geworden. Wie sagt man so schön: Es gibt keine schlechte Publicity. </p><p>Der Grund für die Entfernung der Bronzeskulptur war die Sorge einer Gleichstellungsbeauftragten: Diese argumentierte, dass die Arbeit als sexistisch wahrgenommen werden und es deswegen zu Beschwerden kommen könnte. Eine Vorsichtsmaßnahme also. Gerne kann man an dieser Stelle über die Implikationen von vorauseilendem Gehorsam diskutieren. Dass dieser Vorstoß durchaus irritieren kann, mag ich nicht bezweifeln. Grassi Museumsdirektor Olaf Thormann freut sich und vermutet dennoch Cancel Culture. So teilte er der <i>Bildzeitung</i> seine kunsthistorische Perspektive auf die Kontroverse mit: </p><p>„<i>Den weiblichen Akt gibt es – genauso wie den männlichen – seit Anbeginn in der Kunstgeschichte. Daraus Sexismus zu konstruieren, verfehlt die gesamte Kunstgeschichte und ich möchte sagen, sogar den Blick auf etwas zutiefst Menschliches.</i>“¹</p><p>Solche Äußerungen setzen einen ganz speziellen Geruch frei: Jenen penetranten, unverwechselbaren Odor von Bullshit. Es ist doch faszinierend, wie den alteingesessenen Kunsthistoriker-Bros unbegreiflich bleibt, dass kunsthistorische Wertschätzung und sexistisch-ideologische Ikonografien sich nicht gegenseitig ausschließen. Man hält an dem Glauben fest, dass die Kunstgeschichte durch und durch nur erstrebenswerte Ideale widerspiegle und mit Wahrheit, Schönheit und Güte das Gegenteil der vom Sündenfall getroffenen Welt sei. Ich will ja keine Spielverderberin sein, aber: Dem ist nicht so. </p><p><b>Ein kunsthistorischer Striptease </b></p><p>Olaf hat in einer Sache recht: Den weiblichen Akt gibt es wirklich seit Anbeginn der Kunstgeschichte. Die Venus von Willendorf gilt als eines der ältesten Beispiele der Menschheitsgeschichte: Fast stolze 30 Tausend Jahre ist sie alt. Als Abbild einer Fruchtbarkeitsgöttin feiert diese Figur den weiblichen Körper auf eine Art, wie ihn die westliche Kunstgeschichte jahrhundertelang sanktionierte: voluminös, mit Körperfett und explizit mit Vulva. Mit der Christianisierung hatte Nacktheit schließlich nichts mehr auf Bildern zu suchen. Darstellungen von Adam und Eva blieben erstmal die Ausnahme. Klar gab es weitere Ausreißer, Kunsthistoriker*innen entdecken immer neue kuriose Fälle, beispielsweise Orgiendarstellungen auf romanischen Kirchenfassaden. Aber sie sind gerade deswegen kurios, weil die kanonische Kunstgeschichte sie verschwieg.</p><p>Mit der Renaissance kam eine weitere Lockerung: Nacktheit geht klar – solange das Motiv biblisch oder mythologisch ist. Die ganzen Putti als nackte Baby-Engelchen fielen unter diese Ausnahme. Und bei Allegorien wie z.B. Vanitas-Darstellungen ging es in Ordnung. </p><p><b>Von wegen natürliche Nacktheit </b></p><p>Jahrhunderte lang spielten Künstlerinnen und Künstler nach diesen Regeln. Und es ist doch wirklich fragwürdig, Nacktheit in einem kunsthistorischen Rahmen frei von sexistischen Parametern zu betrachten, denn es ist ein in erster Linie männlicher, patriarchaler, objektivierender Blick, der jahrhundertelang Körperbilder prägte. </p><p>Der Kunsthistoriker John Berger unterscheidet zwischen Nacktheit und Entbößtheit: Nackt sein heißt, man selbst sein. Entblößt sein heißt, von Anderen nackt und nicht als man selbst gesehen zu werden. Ein Bild ist ein Objekt, und der entblößte Körper im Bild wird somit ebenfalls zum Objekt degradiert. Der nackte Körper dient nicht dem Selbstzweck, sondern der Betrachtung.</p><p>Aktdarstellungen spiegelten in der westlichen Kunstgeschichte meist patriarchale Schönheitsideale wider. Zu Zeiten von Peter Paul Rubens waren Kurven und Volumen in. In der Ära von Jean-Auguste-Dominique Ingres waren es die ein oder zwei Wirbel mehr, die dem weiblichen Körper den ganz besonderen Charm verliehen – da konnten sich die Künstler ganz besonders an unrealistischen Körperbildern austoben!</p><p>Ach ja, und da ist noch ein kleiner Double Standard: Männliche Aktdarstellungen hatten nie, im Gegensatz zu weiblichen Darstellungen, schamvoll zu sein. Der nackte Mann ist in der Kunstgeschichte antiker Held, göttliches Körperideal und stolzer Krieger. Frauen aber haben sich in ihrer Nacktheit ganz anders zu verhalten. In dem Zusammenhang sagte Olaf zur Bild: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Venus Medici als sexistisch empfunden werden könnte. Sie ist ja schon vom Typus her eine ‚schamhafte‘ Venus und zeigt keine anbiedernde Nacktheit.“ Es ist doch bezeichnend, dass es mit der <i>Aphrodite pudica</i> einen ganzen Bildtypus dazu gibt, wie die nackte Frau auszusehen hat: schamvoll, sich mit der Hand bedeckend, sich klein machend. Das gilt auch für Göttinnen. Und auch das ist für Olaf kein Grund, Sexismus zu wittern. </p><p>Aktdarstellungen waren in einem gewissen Sinne auch schon immer Formen gesellschaftlich und kunsthistorisch legitimierter Pornografie. Klar, sie durfte nicht offensichtlich sein, deshalb bitte nur biblische oder mythologische Motive. Du willst was erotisches fürs Schlafzimmer? Ein Frauenakt auf einem Bett vielleicht? Nenn die Frau Venus und schon stellt dir keiner dumme Fragen! Oder wie wäre es mit einer büßenden Maria Magdalena, der beim Beten die Brüste beinahe aus dem Bild heraus ins Gesicht des Betrachters fallen? Im 16. Jahrhundert rissen sich die Mäzene geradezu darum, den erotischsten Frauenakt zu besitzen und letztendlich sind es sowieso Männer, die die Regeln der guten Moral festlegen: Wer soll schon was sagen, wenn du dir als Kardinal Ippolito de&#8216; Medici die <i>Venus von Urbino</i> (1538) für dein Schlafzimmer in Auftrag gibst. Oder wenn du als Kardinal Alessandro Farnese Tizian mit einer <i>Danaë</i> (1544) beauftragst und dein Gesandter dir zufrieden mitteilt, dass die Venus von Urbino im Vergleich zu deinem neuen Schatz wie eine prüde Theatine aussehe.² Und da war noch der geschmackvolle Kommentar von Boschini: Ein Gemälde ohne Akt sei wie ein Mahl ohne Brot.³ Ist ja alles ausschließlich für kunsthistorischen Genuss und geistige Stimulation, versteht sich …</p><p>Wäre Nacktheit immer so als natürlich und menschlich angesehen und nicht sexistisch, wie Olaf behauptet, dann hätte man doch nie ein Problem damit gehabt, Künstlerinnen zum Aktzeichnen zuzulassen. Aber <i>so</i> natürlich war Nacktheit dann doch nicht, das wollte man den zerbrechlichen Gemütern nicht zutrauen. Und es wäre für Frauen keine Schande gewesen, für einen Künstler Akt zu stehen (diese Arbeit war für Menschen an den Rändern der Gesellschaft bestimmt: Als Mensch wertlos, als Abbild unbezahlbar). Und dann hätte Gustave Courbets Nahansicht einer Vulva, der <i>L’Origine du Monde</i> (1866), keinen Skandal ausgelöst. Und keiner hätte bei Eduard Manets <i>Olympia</i> (1863), die als Sexarbeiterin weder Göttin noch Gottesmutter war und selbstsicher dem männlichen Blick die Stirn bot, die Augenbraue gehoben. Künstler*innen der Moderne wandten sich von den alten Spielregeln ab und zeigten Menschen in ihrer echten Nacktheit: ungeschönt, unadelig, ungöttlich – und machten genau damit auf jenen kunsthistorischen und gesellschaftlichen Sexismus aufmerksam, den Olaf nun aus dem Nichts heraufbeschworen sieht.</p><p>Wäre diese kunsthistorische Nacktheit kein Sexismus, dann hätte sich 2021 niemand über Juliana Notaris als Vulva geformte Land Art Skulptur <i>Diva</i> aufgeregt. Und die Guerilla Girls hätten sich 1989 ganz umsonst echauffiert, dass Künstlerinnen nur 5% der Sammlung des Metropolitan Museum of Art ausmachten, 85% der Aktdarstellungen jedoch von weiblichen Körpern sind. Wer also glaubt, dass diese Kunstgeschichte nicht sexistisch sei, soll sich als Erster seiner Kleidung entledigen.</p>								</div>
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									<p style="text-align: center;">Unbekannt: <em>Statue of crouching Aphrodite (&#8218;Lely&#8217;s Venus&#8216;)</em>, 2. Jh. n. Chr. (Kopie), Marmor,  1,12 m; London: British Museum; Foto: Marie-Lan Nguyen (2011), CC BY 2.5, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15511559">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15511559</a></p>								</div>
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		<title>Review: How to Spot a Neo-Fascist – Jonas Höschl’s „80 Porträts“</title>
		<link>https://ato.vision/magazine/review-how-to-spot-a-neo-fascist-jonas-hoschls-80-portrats/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jennifer Braun]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Mar 2025 12:05:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[80 Porträts]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Generation Z]]></category>
		<category><![CDATA[Jennifer Braun]]></category>
		<category><![CDATA[Jonas Höschl]]></category>
		<category><![CDATA[Kritische Auseinandersetzung]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Neo-Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[rechte Szene]]></category>
		<category><![CDATA[Tannhäuser Kreis]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassungsschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jennifer „The Gen-Z-Art-Critic“ Braun, über die Grenze zwischen Dokumentation und Kunst, die Ästhetik der neuen und der alten Rechten und die Wirksamkeit des Künstlerbuchs.</p>
<p>Lesedauer: 6 Minuten</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/review-how-to-spot-a-neo-fascist-jonas-hoschls-80-portrats/">Review: How to Spot a Neo-Fascist – Jonas Höschl’s „80 Porträts“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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									<p>Jonas Höschl ist Teil der Gruppe Tannhäuser Kreis. Klingt schaurig, soll auch so: Eine Zusammenschließung von Künstlerinnen und Künstlern, die bissig und kritisch mit deutscher Geschichte umgehen. Umso gespannter war ich auf sein neues Künstlerbuch. In der oberen rechten Ecke (haha, ihr wisst schon) des roten Kartoneinbands steht: </p><p style="text-align: center;">80 PORTRÄTS :<br />73 MÄNNER, 7 FRAUEN <br />JONAS HÖSCHL<br />ISBN 978-3-99153-103-6</p><p>Ganz nüchtern und ohne Umschweife. Ganz <i>deutsch</i>, würde man meinen. Da rutscht mir der gebundene Teil aus dem Einband. Sollte das nicht fest dran sein? An die Innenseite des Einbandes sind die Einleitung auf einem einfachen A4-Blatt und ein Foto getackert. Als wäre das ganze Ding noch ein Manuskript <i>in the making</i> und kein fertiges Buch. Oder als wäre mir gerade ein Stapel Geheimakten des Verfassungsschutzes aus der Mappe gefallen. </p><p>Der Inhalt ist im Titel gespoilert: Jede Seite nimmt ein Porträt ein. Das an den Einband getackerte Foto zeigt die Ausstellung <i>Gentle Reminder</i> in der Galerie Anton Janizewski, in der Jonas die Fotos ursprünglich an eine Wand projizierte. Alle schwarz-weiß in schwarzem Passepartout. Alles Hochformate, keine Seitenzahlen. Nur <i>wer </i>die 80 porträtierten Personen sind, verrät der Titel nicht. </p><p>Eine Ahnung darüber bekomme ich bei den Bildern selbst: Kurzhaarschnitte, Glatzen, Kleidungslogos mit Lorbeeren, Schwertern und Adlern drauf, Reichsfahnen. Die Bilder hat Jonas aus antifaschistischen Rechercheportalen, die rechtsextreme Netzwerke aufdecken. Manche Fotos sind aus sicherer Entfernung heraus entstanden. Auf anderen Fotos scheint der Porträtierte mit der Faust auf die Kamera auszuholen.</p><p>Schwarz-Weiß galt bis in die 70er Jahre als Kardinalregel der seriösen künstlerischen Fotografie. Nur das klare Schwarz-Weiß erlaube es, sich vom fotografierten Objekt zu distanzieren; es nicht mehr als darzustellenden Gegenstand, sondern als ästhetisches Konzept zu begreifen. Einer forensischen Dokumentation würde das hier widersprechen. Okay, die Arbeiten von Bernd und Hilla Becher wären im wahrsten Sinne des Wortes eine Grauzone. In Jonas’ Fall verschwinden in der Farblosigkeit Details. Reichsfahnen habe ich vorher erwähnt, aber woher weiß ich das so genau ohne Farbe? Jonas zeichnet die Suggestion in Umrisslinien aufs Blatt und ich male die Flächen selbst aus.</p><p>Nach dem „Schwarzweißdenken“ der zweite Knackpunkt: Die Gesichter verschwinden hinter einem weißen Nebel. Als wären sie wegradiert. Solange es Fotografie gibt, gibt es auch Retuschen und Bildmanipulation. Porträts bilden normalerweise eine Person ab. Ein Teil ist Inszenierung, ein Teil Eindruck. Was passiert also, wenn Jonas die Porträts unkenntlich macht? Das Porträt widerspricht sich selbst und wird unpersönlich. Dokumentation oder Ikonoklasmus, was ist es nun? Geradezu auratisch wird die Leere. Ein kleiner running gag der Kunstgeschichte ist, dass der Prophet Mose in der lateinischen Übersetzung des unvokalisierten hebräischen Wortes <i>KRN</i> Hörner (<i>karan</i>) abbekommen hat und entsprechend lange so dargestellt wurde – dabei heißt es, sein Gesicht habe geleuchtet (<i>keren</i>), als er mit den Gesetzestafeln vom Berg Sinai herabstieg. Hat Jonas hier aus Versehen den Leuten eine leuchtende Aura statt die verdienten Hörner verpasst? Oder befolgt Jonas nur gewissenhaft die DSGVO? Nicht ganz – im Hintergrund oder neben den Porträtierten sind die anderen Personen doch ganz klar erkennbar. Ein leeres Rauschen, vielleicht? Keiner zu Hause in der Birne? Das will ich nicht meinen, das wäre doch zu plakativ…</p><p>Ich frage mich, was es mit der Relation 73:7 auf sich hat. Vielleicht ist das auch die ungefähre Geschlechterproportion in der rechten Szene insgesamt. Da sehe ich eine Frau im Dirndl mit Namensschild, die den DB-Fahrplan nach Görlitz hochhält. Und hinter ihr verschwommen ein Banner mit „Arische“ in altdeutscher Schrift. Beim telefonierenden Herrn in Hemd und Krawatte hätte ich mir nichts gedacht (so viel zum Thema <i>respectability politics</i>). Bei dem genauso gekleideten jungen Mann mit Blumensträußen in der Hand ebensowenig. Und gerade das mag die demokratische Achillesferse sein: Die Neonazis von Heute sehen nicht unbedingt wie die Nazis von Damals aus. Und wenn sie es doch tun, heißt es weiterhin beobachten und abwarten. Vorsicht sei geboten… aber nicht vor Nazis, sondern vor voreiligen Schlüssen. </p><p>Kleidung, die heute mit Neofaschismus assoziiert wird, hat ihre Wurzeln in der Linken Szene: Punks in Glatze und Springerstiefel <i>walked</i>, so Neonazis <i>could run</i>. Wegen des „NS“ in „Lonsdale“ und dem Lorbeerzweig im Fred Perry-Logo sind diese Marken besonders präsent auf rechten Aufmärschen. Beide Brands distanzieren sich von Rechts, die Linke erobert sie zurück. Und auch sonst gibt es Code-Überschneidungen, die fast aufeinanderzeigenden Spiderman-Klonen gleichen. </p><p>So unmissverständlich klar der Titel des Buches ist, so unklar ist mir das Ergebnis. Eine forensische Analyse eines Täter*innenbildes ist es nicht, dafür ist es zu ästhetisiert. Nazis sehen heute anders aus als früher? Wissen wir. Die Porträts, die Jonas zeigt, sind der rechte Rand des Overton-Fensters. Klar kommt da der Aufschrei. Aber die große Gefahr ist längst nicht mehr der Rand, sondern die breite Masse, die gemäßigt den Faschismus in die Mitte trägt. </p>								</div>
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		<title>Du hast nicht den Redestein!</title>
		<link>https://ato.vision/magazine/du-hast-nicht-den-redestein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jennifer Braun]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jan 2025 14:24:02 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Frauen in der Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jung, kritisch, legitim? Jennifer Braun, auch bekannt als „The Gen Z Art Critic“ über Vorurteile, Perspektiven und Generationskonflikte in der Kunstkritik</p>
<p>Lesedauer: 6 Minuten</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/du-hast-nicht-den-redestein/">Du hast nicht den Redestein!</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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									<p>Vor rund einem Jahr ist mir etwas sehr Einprägsames passiert: Ich war unterwegs in Köln zu einigen Galerieeröffnungen, mein Blog noch in den Kinderschuhen, meine Handynotizapp bereit, neue Gedanken für die nächste Rezension festzuhalten. Der letzte Stopp des Abends war eine Gruppenausstellung. Als ich etwas länger an einem Kunstwerk verweilte, ergriff die anwesende Künstlerin die Gelegenheit, mit mir über ihre Arbeit ins Gespräch zu kommen. Ich hörte interessiert zu, stellte Fragen zu ihrem gewählten Material, zur Technik, blätterte die ausliegenden Kataloge durch. Sie sprach transparent über die finanziellen Herausforderungen des Künstlerinnendaseins in den 70er und 80er Jahren, die umständliche Vereinbarkeit von Familie und Karriere, Dayjobs in der Kultur, die die Miete zahlen. „Wir Frauen müssen zusammenhalten, ganz besonders in der Kultur!“ Ich nickte begeistert. Ich glaubte bis zu diesem Zeitpunkt, einen Austausch auf Augenhöhe zu führen. Doch als sie mich nach meinem Bezug zur Kunst fragte und ich sagte, dass ich Kunstgeschichte studiere und Kunstkritikerin bin, sah ich ihr Lächeln fallen und ihre Stirn sich in Falten legen. Ja geradezu mit Entsetzen sah sie mich an und fragte: „Mit welcher Lebenserfahrung sollen Sie denn bitte Kunstkritik schreiben?!“</p><p>In einem gewissen Sinne hatte die Künstlerin recht: Mir mangelte es in diesem Moment tatsächlich an Lebenserfahrung. Lebenserfahrung, mit der ich wissen würde, dass ich dieses Gespräch guten Gewissens abbrechen kann. Dass ich weitergehen kann. Dass ich mir unfundierte Kritik einer Person, die nichts über meine Arbeit weiß, nicht anzuhören brauche. Und gerade aus jener mangelnden Lebenserfahrung blieb ich weiter angewurzelt an der Stelle stehen, verlegen lächelnd, während das kalte Wasser, das sie mir eben über den Kopf geschüttet hatte, an mir heruntertropfte. </p><p>Ich begann mich zu erklären. Ich gehe viel in Ausstellungen, ich schaue mir Kunst genau an, ich mache Atelierbesuche, sagte ich und hoffte, mit meinen unbeholfenen Rechtfertigungen ein Handtuch zu basteln, mit dem ich mich abtrocknen konnte. Doch jedes weitere Wort ließ das Podest unter den Füßen der Künstlerin höherschießen, von dem aus sie noch heftiger zu mir herabsprach. Ich solle lieber zur Volkshochschule, Kurse belegen, selbst Kunst machen. Ein Argument, das nach „Wenn du selbst in diesen Schuhen stecken würdest als Künstlerin, hättest du ganz anders Reden“ klang. Außerdem wäre es Quatsch, Künstler*innen zu ihrer Arbeit zu befragen. Sie streckte den Kopf zur Seite, da ihr die bis zur Decke reichende Ironie, die sie gerade selbst zwischen uns beide gestellt hatte, die Sicht blockierte. Jedenfalls solle ich gucken, nicht reden. War der eben noch heraufbeschworene Zusammenhalt von Frauen in der Kunst jemals in the room with us? </p>								</div>
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									<p style="text-align: left;"><em><span style="color: #00ff00;">Oh Wunder(kind)!</span></em></p>
<p>Alter ist in der Kunst so eine Sache. Für Künstler*innen ist es kein Problem: Wunderkinder liebt die Kunstgeschichte – und der Markt erst recht. Der Renaissance-Freskenmaler Giotto soll der Legende nach als kleiner Hirtenjunge beim Zeichnen der Schafe entdeckt worden sein. Der Venezianische Barockmaler Tizian wurde als Neunjähriger Azubi der Bellini-Brüder. Da wird keine Kinderzeichnung weggeschmissen, wenn sie entdeckt wird. Der vom Kunstmarkt bis heute teuer gehandelte (wenn auch von Art Professionals mit Augenrollen tolerierte) Leon Löwentraut machte schon mit 16 Jahren Furore in der deutschen Presse. Letztes Jahr war das Staunen groß, als die Eltern des dreijährigen Laurent Schwarz dessen Bilder für hunderttausende Euro verkauften. <i>Ja aber das ist doch nicht der große Legacy-Kunstmarkt, auf dem die beiden gehandelt werden!,</i> mag vielleicht jemand dazwischenrufen. Nur vier Jahre nach ihrem Abschluss am Royal College of Art ging 2021 eine Arbeit von Jadé Fadojutimi für umgerechnet rund 730 Tausend US-Dollar bei Philipps Hong Kong unter den Hammer. 2022 nahm die Mega-Gallery Gagosian die 27-jährige Anna Weyant unter Vertrag. Seit letztem Jahr repräsentiert Pace die 1997 geborene Li Hei Di.&nbsp;</p>
<p>Jung sein ist also gar kein Problem, solange man für das Kunstsystem produziert. Denn: das System Kunst und der Gegenstand Kunst sind keine gleichwertigen Partner. Der Manager hält seinen produktiven Popstar-Schützling fest im Griff. Sobald man sich aber auf die institutionskritische und analytische Seite begibt, wird’s heikel.&nbsp;&nbsp;</p>
<p><em><span style="color: #00ff00;">Oh, Legitimierung!</span></em></p>
<p>Im Frühjahr 2023 habe ich meinen Bachelor in Kunstgeschichte abgeschlossen, damit darf ich mich Kunsthistorikerin nennen. Ich darf Katalogtexte schreiben, Führungen über kanonische Künstler-Bros anbieten, und mich für halbes Gehalt als Museumsvolontärin ausbeuten lassen. Oh nein, das darf ich tatsächlich nicht – dazu bin ich erst mit einem Masterabschluss qualifiziert. Kunst aber kritisch in den Blick nehmen? Jetzt mach mal halblang, Fräulein. Während ein Abschluss oder ein Zeugnis eine handfeste Qualifizierung ist, ist Erfahrung doch ein schwammiges Konzept. Was genau meint Erfahrung?&nbsp;</p>
<p>Das Bestehen auf Erfahrung ist unter anderem mit der Vorstellung verbunden, dass sich mit zunehmendem Alter auch ein zunehmend objektiver Blick schärfen würde. Objektiv sieht die Welt aber niemand. Idealerweise hilft Lebenserfahrung damit, die Grenzen des eigenen Verständnisses zu reflektieren. In seinen Memoiren schreibt der Galerist Rudolf Zwirner (Papa von Nepo-Baby und Mega-Galerist David Zwirner), dass er seinen Vermittlungsrahmen bei Pop Art begrenzt hatte, weil er nicht mehr den Bezug zu neuerer Kunst habe. Nicht, weil er sie nicht gut finde oder weil sie ihm zu x oder zu y sei, sondern weil er die Grenzen seines eigenen Einschätzungvermögens einsieht. So eine Einstellung respektiere ich. Ein hohes Alter per se garantiert aber nicht die Erkenntnis der eigenen Subjektivität. Oft bildet sich statt Offenheit für das Neue ein Autoritätsanspruch. Das sieht man an den sich häufenden Essays alter weißer Männer, die sich zu der Kunst ihrer Jugend zurücksehnen wo früher doch alles besser war (Hi, Dean Kissick!).&nbsp;</p>
<p>Gilda Williams empfiehlt Kunstkritiker*innen in ihrem Buch „How to Write About Contemporary Art“, sich insbesondere mit gleichaltrigen Positionen sowie denen eine Generation jünger und älter zu befassen, weil man gerade auch von der historischen Nähe zueinander profitieren kann. Ich habe meinen Blog The Gen Z Art Critic getauft, weil ich über Kunst aus meiner generationsbedingten Perspektive schreibe: Und diese ist nun mal Gen Z. Ich werde Konzeptkunst der 60er nie so sehen können wie jemand, der damals dabei war. Genauso wird eine siebzigjährige Person nicht denselben Zugang zu einer mit Memes arbeitenden Millennial-Künstlerin haben, wie ich. Und das ist auch okay so. Es wäre doch langweilig, wenn wir alle dasselbe sehen und denken würden. Kunstkritik wird doch gerade dann spannend, wenn man sie nicht als eine anonyme gebieterische Stimme aus dem Off versteht, sondern als viele Stimmen, die – um Kamala Harris zu zitieren – im Kontext von allem, was sie umgibt und was vor ihnen da war, existieren.&nbsp;</p>
<p>Ich verstehe Kunstkritik auch als Zeitkapsel. Welche Erwartungen und Ansprüche haben Menschen unterschiedlicher Generationen an Kunst ihrer Zeit? Wie sehen sie die Kunst der Vergangenheit? Und wie kann man diese Standpunkte und Sehgewohnheiten für andere nachvollziehbar argumentieren? Diese generationsbedingte Lebenserfahrung hinzuzuziehen bei der Betrachtung von Kunst scheint mir jedenfalls immer die Auseinandersetzung wert.&nbsp;</p>								</div>
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