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	<title>Laura Helena Wurth, Autor bei Crisp Magazin</title>
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	<description>Junges, kritisches Kunstmagazin – herausgegeben von ato</description>
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		<title>Tausend Lichter unter der Sonne: Doug Aitken in Mumbai</title>
		<link>https://ato.vision/magazine/doug-aitkens-in-mumbai/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura Helena Wurth]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:10:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>– REVIEW – Im Business District Mumbais, zwischen Malls und Bürotürmen, findet sich das Nita Mukesh Ambani Cultural Center, eine junge Institution mit internationalen Ambitionen. Wo Porsches durch die Lobby fahren können, hat Laura Helena Wurth die Ausstellung „Under the Sun“ des US-amerikanischen Künstlers Doug Aitken besucht.<br />
Lesezeit: 6 Minuten</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/doug-aitkens-in-mumbai/">Tausend Lichter unter der Sonne: Doug Aitken in Mumbai</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Man muss, wenn man zum Nita Mukesh Ambani Cultural Centre nach Mumbai kommt, alle Klischeebilder, die man über Indien im Allgemeinen und Mumbai im Besonderen mit sich herumträgt, über Bord werfen. Noch nicht einmal die Luft ist im Januar besonders heiß oder drückend. Sie ist erwähnenswert angenehm, eine leichte Brise weht über die leeren Straßen des Business Districts, manchmal segelt träge ein Blatt zu Boden. Außer mir sind ungefähr drei Autos auf der Straße, als ich vom Hotel hinübergehe. Alle anderen Menschen sind, davon muss man ausgehen, in den riesigen, klimatisierten Malls, Hotels und Bürotürmen, die hier dicht an dicht gebaut sind, untergebracht. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Das NMACC ist eher ein kulturelles Erlebniscenter als das, was man sich in Europa unter einer klassischen Kulturinstitution vorstellt. </span><span style="font-weight: 400;">Es hebt sich auch deutlich von den anderen Institutionen Mumbais ab. Es ist größer und besser finanziert als die öffentlichen Museen und kann Ausstellungen beherbergen, die bestimmte klimatische oder technische Voraussetzungen benötigen. Es gibt in dem Gebäudekomplex mehrere Restaurants, Ballsäle und ganze drei Theater, und durch die Lobby ist schon mal ein Porsche gefahren, wie beim Rundgang erzählt wird. Warum? Weil es geht. Außerdem gibt es hier den größten Personenaufzug der Welt. Es geht darum, Superlative zu schaffen.</span></p><p><strong>More is more</strong></p><p><span style="font-weight: 400;">Erst 2023 von Nita Ambani, der Ehefrau von Mukesh Ambani, ins Leben gerufen, ist die noch recht junge Kulturinstitution auf internationalem Expansionskurs. Die Ambanis sind die reichste Familie Indiens. Mit einem in der Erdölindustrie aufgebauten Vermögen sind ihre Mitglieder regelmäßig auf den Forbes-Listen der reichsten Menschen der Welt vertreten. Falls man in der westlichen Welt zuvor nicht wusste, wer das ist, weiß man es spätestens seit der Hochzeit des jüngsten Sprosses der Unternehmerfamilie 2024, zu der neben anderen hochkarätigen Prominenten Rihanna und die Kardashians eingeflogen wurden und die zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Dollar gekostet haben soll. Das sind die Nachrichten, die den Namen in die breite Presse heben. Aber im NMACC wird dennoch ein ambitioniertes, internationales Kultur- und Kunstprogramm vorangetrieben.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Neben der Kunst indischer Künstler*innen, die im gesamten Gebäude hängt, gibt es einen von nur rund 20 existierenden </span><i><span style="font-weight: 400;">Infinity Rooms</span></i><span style="font-weight: 400;"> der Japanerin Yayoi Kusama, in den man eintauchen kann, um Instagram-taugliche Fotos von sich im Spiegelkabinett zu schießen. In dem Komplex ist außerdem das „Art House“ untergebracht, in dem jetzt der 1968 geborene Amerikaner Doug Aitken über drei Stockwerke eine Geschichte über Tradition, Technologie und Auflösung erzählt. </span></p>								</div>
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									<p>Doug Aitken, <i>NEW ERA</i>, 2018; Installationsansicht NMACC, Mumbai, India, 2025, Courtesy of the artist. Foto: Dhrupad Shukla/Floating Home Studio</p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Aitken arbeitet in verschiedenen Medien und sprengt immer wieder die engen Grenzen der Genres, in die man versucht, ihn einzuordnen. Oftmals arbeitet er mit Filmen, die so sauber und aufwendig produziert sind wie Hollywood-Produktionen und nicht selten das gleiche Personal, zum Beispiel Tilda Swinton oder Donald Sutherland, beschäftigen. In seiner Arbeit geht es darum, einen Ausdruck für das komplizierte und immer komplizierter werdende Verhältnis des Menschen zu seiner sozialen Umwelt und zur Natur zu finden. Von beidem entfernt und entfremdet man sich gleichermaßen und kaum jemand findet Bilder dafür, die gleichzeitig so fragil wie überwältigend sind, wie Aitken. </span></p><p><strong>Zwischen Urknall und Auflösung</strong></p><p><span style="font-weight: 400;">Die Ausstellung mit dem Titel </span><i><span style="font-weight: 400;">Under the Sun</span></i><span style="font-weight: 400;"> ist – den drei Stockwerken entsprechend – in drei Teile gegliedert. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wenn man so will. Im ersten Stock gibt es von traditionellen indischen Webern geknüpfte Wandteppiche aus belgischer Wolle zu sehen. Aus ihnen formen sich geöffnete Hände, die Adern aus sattem Rot. Angelehnt an die wichtigsten Flüsse des Landes stehen fünf Boote auf Kieselsteinen – auf dem Trockenen – mitten im Ausstellungsraum. Vielleicht eine düstere Vorhersehung des versiegenden Wassers auf der Erde. Die Boote und die Webarbeiten, die man aus Aitkens Werk kaum kennt, werden um fünf Skulpturen von Menschen, die aus Holz gefertigt sind, ergänzt. Es scheint, als würden sie sich gerade noch aus riesigen Pixeln zusammensetzen, während man auf der anderen Seite bereits fertige Personen erkennt, die alle ein reales Vorbild haben. Für Aitken stehen sie jedoch universell für jeden Menschen auf der Erde. Deswegen verrät er nicht, wer genau die Figuren sind, die sich dort aus dem Holz schälen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Über eine Treppe gelangt man in den zweiten Stock, in dem die Videoarbeit </span><i><span style="font-weight: 400;">NEW ERA</span></i><span style="font-weight: 400;"> aus dem Jahr 2018 in einem dunklen, mit Spiegeln verkleideten Raum installiert ist. Alles wirkt dadurch überwältigend, groß und, was momentan oft gewollt ist: immersiv. In dem Video geht es um den ersten Anruf, der jemals mit einem Mobiltelefon getätigt wurde, und seinen Erfinder Martin Cooper. Man versinkt in den großen Bildern aus der Wüste, wo das Signal des Mobiltelefons übertragen wird, die sich hier ins Unendliche spiegeln. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Plötzlich versteht man die Tragweite der Erfindung des Mobiltelefons und wie nachhaltig sie das Leben aller Menschen beeinflusst hat, noch ein bisschen besser, ein bisschen umfassender. Denn während man dort in der Dunkelheit steht, umhüllt von den Bildern aus der Wüste, tastet die Hand in die Hosentasche, will ein Foto machen und sieht eine Nachricht aus Deutschland, die gerade darauf angekommen ist. </span></p>								</div>
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									<p>Doug Aitken,<i> LIGHTFALL / OTHER WORLDS</i>, 2025; Installationsansicht NMACC, Mumbai, India, 2025, Courtesy of the artist. Foto: Brian Doyle</p>								</div>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Noch ein Stockwerk weiter kann man sich dann in dem, was in dieser Reihenfolge die Zukunft ist, ganz versenken. Tausende von LED-Leuchten hängen rund angeordnet von der Decke. Ihr Strahlen, das den nach außen abgedunkelten Raum in helles Licht taucht, ist mit einem extra komponierten, sphärischen Sound abgestimmt. Im Takt der Musik bewegt sich auch das Licht. Wandert von kaltweiß zu blau, zu pink. Wie Regen läuft es die hängenden LED-Leuchten entlang.</span></p>
<p><span style="letter-spacing: 0.2px;"><b>Abtauchen und aufsteigen</b></span></p><p><span style="letter-spacing: 0.2px;">Während das erste Mobiltelefon und auch die ersten Smartphones noch wirkliche Errungenschaften waren, die Menschen näher zueinander brachten und das Leben erleichterten, muss man sich jetzt überlegen, ob man nicht dabei ist, sich im technischen Gerät selbst aufzulösen oder sich freiwillig davon verschlucken zu lassen. So wie manche Nutzer*innen wie Shrimps zusammengerollt über ihren Mobiltelefonen brüten, wirkt es fast, als wollten sie gänzlich in das Gerät hineinkriechen. Und mittlerweile schon seit Jahrzehnten gibt man seine Daten bedenkenlos ab und wird so zum Lieferanten für die großen Tech-Konzerne, die in den Daten das erkannt haben, was sie sind: das Gold des 21. Jahrhunderts. Denkt man so über diese immersive Installation nach, ist einem recht schnell gar nicht mehr so meditativ und friedlich zumute.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Ausstellung Aitkens ist Teil des Plans des NMACC, sich mit internationalen Künstler*innen und Institutionen zu verknüpfen. So arbeitet man immer wieder mit internationalen Gastkuratoren, in diesem Fall mit den Österreicherinnen Roya Sachs und Mafalda Kahane, die bereits 2024 eine große Ausstellung ausschließlich mit indischen Künstlern*innen auf den 1500 Quadratmetern Präsentationsfläche realisiert haben. Und gerade erst hat das NMACC eine fünfjährige strategische Partnerschaft mit den Museen in Katar zu Bildungsinitiativen in Museen unterzeichnet. Aller Wahrscheinlichkeit nach nur der Beginn einer dauerhaften Zusammenarbeit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Gleichzeitig drängen indische Galerien auf den internationalen Markt und stärken ihre Positionen, indem sie sich gemeinsam organisieren. Es gibt ein Mumbai Gallery Weekend, um die Vielfältigkeit der Kunstszene zu zeigen. Seit 2023 findet außerdem eine internationale Kunstmesse in der Stadt statt: die Art Mumbai. Dort zeigen neben indischen auch auffallend viele internationale Galerien die Arbeit ihrer Künstler*innen. Das Interesse daran, sich international in der Kunstwelt zu vernetzen und als eigenständiger Akteur aufzutreten, scheint zunehmend wichtig zu werden. Gerade nach der Corona-Pandemie hat in Indien das ökonomische Wachstum rasant zugenommen, was sich unter anderem in dem wachsenden Interesse an zeitgenössischer Kunst zeigt. Gerade jetzt, wo der Blick der westlichen Kunstwelt sich weitet, lohnt es sich auch nach Indien zu schauen und zu sehen, wie sich die Kulturlandschaft dort entwickelt. Immerhin ist Indien mit 1,4 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde.</span></p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/doug-aitkens-in-mumbai/">Tausend Lichter unter der Sonne: Doug Aitken in Mumbai</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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		<title>Call it: Präzision – Strategische Uneindeutigkeiten</title>
		<link>https://ato.vision/magazine/call-it-praezision-strategische-uneindeutigkeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura Helena Wurth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Jan 2026 09:45:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Call it]]></category>
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		<category><![CDATA[Maria Vittoria Maiello]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie zielführend ist es, wenn wir auf klassische Begriffe der Kunsttheorie zurückgreifen? Erfassen sie tatsächlich das, was wir sagen wollen, dienen sie als unverzichtbare Werkzeuge, oder engen sie unser Denken ein und versperren uns neue Perspektiven? Für unser Glossar kunsttheoretischer Begriffe hat Laura Helena Wurth ganz präzise nachgefühlt.<br />
Lesezeit: 4 Minuten</p>
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									<p><span style="font-weight: 400;">Es kann schwierig sein, Wörter für Kunst zu finden. Man kann die Kunst mit Worten nur umkreisen, einkreisen, ihr einen Rahmen geben, Lesarten vorschlagen. Es liegt in der Natur der Sache, dass zwischen Text und Gegenstand eklatante Lücken aufreißen. Deswegen liegt die Herausforderung im Schreiben über Kunst auch darin, eine Geschichte um die Kunst zu erzählen, sie mit einem Kontext auszustatten. So zumindest meine Auffassung. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Es wird immer ein Rest Unverstandenes bleiben, etwas, das sich jeder konkreten Beschreibung entzieht und das trotzdem mehr ist als lediglich ein Gefühl. Es ist etwas Diffuses, etwas Waberndes; etwas, das für jeden etwas anderes ist. Umso interessanter ist es, dass einem oft das Wort „präzise“ begegnet, wenn man sagen möchte, warum ein Kunstwerk sehr gut ist. Der Satz dazu lautet: „Das ist wirklich eine sehr gute Arbeit, sie ist so unheimlich präzise.“ </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Auch ich habe, das muss ich zugeben, diesen Satz schon in Situationen verwendet, in denen ich schnell etwas über die gerade betrachtete Kunst sagen musste, aber wirklich nichts Schlaues oder auch nur halbwegs Durchdachtes zu sagen hatte. Wenn man da mit einem Glas in der Hand vor einer flimmernden Videoarbeit steht, von der man zwischen Begrüßungsgesten vielleicht ganze 30 Sekunden mitbekommen hat, kann man diesen Satz ganz hervorragend verwenden. Es wirkt, als hätte man etwas Geheimes verstanden, das nun sehr präzise ausgedrückt werden würde. Was genau dabei präzise ausgedrückt wird, bleibt jedoch vollkommen unklar. Es fragt aber auch niemand weiter nach, warum das jetzt präzise oder was genau da eigentlich besonders präzise beschrieben würde. Allein das Wort verwendet zu haben, wirkt, als wüsste man, wovon man spricht. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Es ist eine Leerstelle, die in keiner anderen Form der Kulturproduktion hingenommen wird, die man mit dem Wort „präzise“ beschreiben kann. Und trotzdem ist es mehr als nur ein Füllwort, das ohne Bedeutung wäre. Der Duden sagt, dass „Präzision“ folgendes bedeutet: Eindeutigkeit, Klarheit, Genauigkeit. Also genau das, was Kunst eigentlich nie sein kann und wohl auch nicht sein will. In der Eindeutigkeit geht die Kunst zugrunde. Zumindest denkt man das seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Das Konzept, dass Kunst uneindeutig zu sein hat, ist in der Moderne entstanden, als sie sich ihre Autonomie erkämpfte und begann, unabhängig von Aufträgen und Mäzenen zu entstehen. Viele große Denker, die heute gern noch zitiert werden (Adorno, Rancière, Novalis, u.v.m.) fanden, dass Rätselhaftigkeit, Uneindeutigkeit und Ambiguität Haupteigenschaften der Kunst seien. Zum einen garantiert sie ihre Unabhängigkeit, weil sie nicht mehr politisch zu vereinnahmen ist, zum anderen kann sie alles und gleichzeitig nichts sein. Also alles in allem das Gegenteil von präzise, genau oder eindeutig.</span></p><p><span style="font-weight: 400;">Die Kunsthistorikerin Verena Krieger zitiert in ihrem Text „Strategische Uneindeutigkeit“ dazu Adorno folgendermaßen: „Ambiguität ist [&#8230;] die höchste Form eines wahren Engagements der Kunst.“ Womöglich ist mit der „Präzision“ demnach auch gemeint, dass jemand dem Uneindeutigen sehr, sehr nah gekommen ist. Jemand hat also einen sehr präzisen Ausdruck für etwas gefunden, das in seiner Anlage bereits uneindeutig ist und niemals wirklich präzise sein kann. Deswegen ist die Kategorisierung „präzise“ für Kunst dann am Ende wohl doch passend. Weil sie in ihrer Verwendung noch einmal deutlich macht, dass Kunst genau das eben, in heutiger Zeit, nie sein kann und auch nie sein will. </span></p><p><span style="font-weight: 400;">Insofern: Wenn das nächste Mal jemand oder man selbst etwas sehr „präzise“ findet, dann kann man sich bewusst sein, dass es das mit Sicherheit nicht ist. Aber auch, dass es eben darum wohl besonders präzise ist. Und vielleicht liegt genau darin die Freude am Sprechen und Schreiben über Kunst: Dass man dem Gegenstand der Berichterstattung zwar auf die Schliche kommen kann, aber akzeptieren muss, dass es immer einen Rest Geheimnis gibt, etwas, das im Unverstandenen lauert und das man aushalten muss. Und man muss auch aushalten, dass hinter dem Aushalten der eigentliche Versuch des Erfassens erst beginnt. Wenn man sich also vor einem Bild, einem Video, einer Performance wiederfindet, ein Glas in der rechten Hand, eine entfernte Bekanntschaft im linken Arm und hastig gefragt wird, was man zu dem Bild, dem Video, der Performance denkt, dann kann man frohen Mutes sagen „Das ist wirklich eine sehr gute Arbeit, sie ist so unheimlich präzise“, ohne zu befürchten, dass man ein schrecklich leeres Füllwort verwendet hat, um die Unausgegorenheit der eigenen Gedanken zu kaschieren. Denn vielleicht eröffnet genau das erst den Freiraum, in dem man wirklich über das Wabernde und Wilde, das Kunst sein kann, nachzudenken beginnt.</span></p>								</div>
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		<title>Crispy Critic’s Picks: Art Basel Paris</title>
		<link>https://ato.vision/magazine/crispy-critics-picks-art-basel-paris/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura Helena Wurth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2025 15:19:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dort wo die Gerhard Richters dieser Welt und achtstellige Geldbeträge die Besitzer*innen wechseln, also auf der Art Basel Paris, der Kunstmesse für moderne und zeitgenössische Kunst, die 2025 zum vierten Mal stattfand, tummeln sich neben überraschenden Rubens-Gemälden auch verschimmelte Orangen und verlorene Unterhosen. Laura Helena Wurth über ihre vier Lieblingsmomente der Irritation und der Zärtlichkeit.</p>
<p>Lesezeit: 3 Minuten</p>
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									<p><b>Gretchen Bender bei Sprüth Magers <br /></b><i>Top Ten Grossing Films of 1988: Die Hard</i>, 1989</p><p>Gretchen Bender kennen immer noch viel zu Wenige. Umso toller, dass Sprüth Magers die 2004 verstorbene Amerikanerin prominent auf der Messe platziert. Auf dem zerknüllten Acryl, wie ein weggeworfenes Taschentuch, leuchtet nun der Filmtitel „Die Hard“, der 1988 zu den zehn Filmen gehörte, die am meisten Umsatz eingespielt haben. </p>								</div>
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									<p style="text-align: center;" data-start="127" data-end="214">Gretchen Bender, <em data-start="148" data-end="190">Top Ten Grossing Films of 1988: Die Hard</em>, 1989, Sprüth Magers. Foto: Laura Helena Wurth</p>								</div>
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									<p><b><br />Alvaro Urbano bei Marian Goodman<br /></b><i>Noches en los jardines de Espana</i>, 2025</p><p>In einer Umgebung, die auf Schönheit, auf der Präsentation von Reichtum und dem Geld, das bitte möglichst schnell den Besitzer wechseln soll, ausgerichtet ist, sind die verfaulten Orangen, die da auf dem leberwurstfarbenen Boden des Grand Palais liegen, ein kurzer Moment der Irritation. Die Beton-Orangen faulen jedoch nicht. Sie sind angemalt und somit wieder sammler*innenfreundlich. <br /><br /></p>								</div>
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									<p style="text-align: center;" data-start="127" data-end="214">Alvaro Urbano, <em data-start="237" data-end="271">Noches en los jardines de Espana</em>, 2025, Marian Goodman. Foto: Laura Helena Wurth</p>								</div>
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									<p><b><br />Simone Fattal bei Balice Hertling<br /></b><i>D’Après Goya VIII</i>, 2025</p><p>Simone Fattal hat Bilder von Goya ausgedruckt und übermalt. Man sieht noch den Schafskopf, wie er etwas verzweifelt aus der Farbschicht herausblickt. Einerseits ist es das, was Kinder an verregneten Nachmittagen machen, wenn sie Magazinbilder übermalen. Andererseits ist es eine radikale Geste, sich als Künstlerin in die Geschichte der Kunst einzuschreiben. Auf dieser Messe, bei der sich auffällig viele nicht mehr ganz so zeitgenössische Altmeister und Picassos tummeln, scheint es ein noch passenderer Kommentar. <br /><br /></p>								</div>
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									<p style="text-align: center;" data-start="127" data-end="214">Simone Fattal, <em data-start="319" data-end="338">D’Après Goya VIII</em>, 2025, Balice Hertling. Fotos: Laura Helena Wurth</p>								</div>
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									<p><b><br />Mohamad Abdouni bei Marfa Projects<br /></b><i>Boyhood</i>, 2025</p><p>Eine Unterhose aus Keramik zerknüllt auf dem Boden. Ein Alltagsmoment voller Nähe, Körperlichkeit und Wärme. Vielleicht auch der Verweis auf die Nacktheit des nun unterhosenlosen Körpers. Inmitten des Schauens und der um Aufmerksamkeit buhlenden Kunstwerke ist es ein kurzer, ein weicher Moment. Es scheint absurd, dass der Rubens bei Gagosian weniger Eindruck hinterlässt, als die Keramikunterhose bei Marfa Projects. Aber so ist es.<br /><br /></p>								</div>
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		<p>Der Beitrag <a href="https://ato.vision/magazine/crispy-critics-picks-art-basel-paris/">Crispy Critic’s Picks: Art Basel Paris</a> erschien zuerst auf <a href="https://ato.vision/magazine">Crisp Magazin</a>.</p>
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