CRISPY CRITIC’S PICKS: Art Basel in Basel

Art Basel in Basel jenseits der Art Basel. Einmal im Jahr ist Basel der Nabel der Welt. Zumindest der Kunstwelt. Obwohl die Art Basel als wichtigste Kunstmesse der Welt gilt, gab es die interessantesten Werke außerhalb der heiligen Messehallen. Beate Scheder hat sie für uns entdeckt. Lesedauer: 4 Minuten

Eigentlich ist die Art Basel der Grund, dass im Juni die ganze Kunstwelt in die Schweiz reist.
Die spannendste Kunst gab es aber außerhalb der Messehallen zu sehen.

Art Basel Parcours: Yu Ji, Foraged bei Sadie Coles HQ (London) und Kiang Malingue (Hong Kong)

Schon im vergangenen Jahr verlegte Kuratorin Stefanie Hessler die Outdoor-Ausstellung der Art Basel von der schmucken Altstadt auf die geschäftige Clarastraße. Einige der Kunstwerke stehen dort gleich draußen herum oder sind durch Schaufenster sichtbar. Für andere muss man Ladengeschäfte, Einkaufszentren oder Ähnliches betreten. Zum Beispiel das Hotel Rheinfelder Hof, wo die chinesische Künstlerin Yu Ji im Bankettsaal eine rätselhafte Szenerie arrangiert hat. Sperrmüll-Spiegel hingen von der Decke, Betonskulpturen von menschlichen Körperteilen kauerten über und auf Sitzgelegenheiten. In der Mitte ein langer Tisch, auf dem Yu Ji Gläser mit giftig grünen Tränklein aus in Basel gesammelten Kräutern platzierte, Trockenfrüchte, an Kohlsorten erinnernde Keramiken und Brot, das sie in einer lokalen Bäckerei so stark überbacken gelassen hatte, dass man es für Vulkangestein halten könnte.

© Yu Ji. Courtesy the Artist, Sadie Coles HQ, London and Kiang Malingue, Hong Kong and NewYork. Photographer: Andrea Rossetti.

Liste Art Fair Basel: Wiktoria Kieniksman und Mikołaj Sobotka bei Turnus (Warschau)

Im Jahr 1995 überzeugten die Zürcher Galerist*innen Eva Presenhuber und Peter Kilchmann den Basler Ausstellungsmacher Peter Bläuer von ihrer Idee für eine junge Alternativmesse zur Art Basel und riefen sie unter dem Namen Liste ins Leben. Ihr 30. Jubiläum feierte die Messe für internationale Gegenwartskunst in diesem Jahr unter der Leitung ihrer neuen Direktorin Nikola Dietrich. Diese lockerte die Ausstellungsarchitektur auf und auch die Auswahl der Galerien. Ganze 48 internationale Galerien gaben 2025 ihr Debüt auf der Messe. Mein Favorit war eine davon: Turnus aus Warschau, gegründet erst 2020 von Kamila Falęcka und Marcelina Gorzynska als Café, Ausstellungsort und Shop. An ihrem alles andere als aufgeräumten Stand präsentierten sie Arbeiten von zwei jungen polnischen Künstler*innen rund um eine Art Altar – expressiv-figurative Malerei in Farben wie aus einem Vintagestore von Wiktoria Kieniksman, auf der sich junge Frauen gegen Taschendiebe wehren, exhibitionieren oder mit sonnenverbranntem Rücken durchs Nachtleben bewegen, und dazu wurmförmige Kerzenständer, eine windschiefe Straßenlaterne und weitere Objekte, Skulpturen und Zeichnungen von Mikołaj Sobotka.

 

Wiktoria Kieniksman und Mikołaj Sobotka bei Liste: Turnus (Warschau). Foto @graysc.de

Basel Social Club: Guzmán Paz, Bakery bei Nora Fisch (Buenos Aires)

Das nomadische Kunstevent Basel Social Club nahm dieses Jahr Station mitten in Großbasel und zog dort in ein labyrinthisch verschachteltes, vielstöckiges, ehemaliges Bankgebäude, das danach – wen wundert’s?– in Luxuswohnungen umgebaut werden soll. Stundenlang konnte man sich dort durch 100 Räume durcharbeiten, vorbei an raumeinnehmenden Installationen, Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen, an zartem Schmuck, einem Casino, einer Blutbank und einem Nail-Salon, an performativen Arbeiten, ultrajungen Positionen, Klassikern der Moderne – und vielen anderen Menschen. Die absolute Reizüberflutung war das. In Erinnerung geblieben sind mir unter anderem die kleinen, spielerischen dreidimensionalen Wandarbeiten des uruguayischen Künstlers Guzmán Paz, vertreten von der argentinischen Galerie Nora Fisch. 

 

© Guzmán Paz, Bakery, Installationsansicht. Foto: Galerie Nora Fisch.

Maison Clearing: Jasmine Gregory, Divorce

Eine weitere salonartige Ausstellung, für deren Besuch man weder VIP sein, noch ein Ticket erwerben musste, kam in diesem Jahr hinzu: Maison Clearing, organisiert von der in New York und Los Angeles beheimateten Galerie Clearing und kuratiert von deren Programmdirektorin Olamiju Fajemisin bespielte eine Villa in Rheinnähe mit Kunst nicht nur von Künstler*innen aus dem eigenen Programm. Weniger überfüllt als der Basel Social Club, nicht weniger sehenswert, eine kleine Oase mit hübschem Garten, der sich für eine Verschnaufpause anbot. Zu den Highlights vor Ort gehörten die Divorce-Gemälde der US-amerikanischen, in Zürich lebenden Künstlerin Jasmine Gregory, zusammengesetzt zu einem Kartenhaus. 

 

© Jasmine Gregory, Divorce, Installationsansicht bei Maison Clearing. Foto: Beate Scheder

Titelbild: Katharina Grosse, CHOIR, 2025. Messeplatz project, Art Basel. Courtesy of the artist © VG Bild-Kunst, Bonn 2025. Foto: Jens Ziehe.