Was ist dein Beruf?
Ich bin Direktor der Kunstmesse Art Basel Paris, die im Oktober im Grand Palais stattfindet. Aktuell arbeite ich an meiner ersten Ausgabe in dieser Rolle.
Wieso arbeitest du in der „Kunstwelt“?
Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, wo zeitgenössische Kunst kein Thema war. Für mich wurde sie in meinen Teenager-Jahren zu einem Mittel der Emanzipierung – sie hatte was transgressives, rebellisches, befreiendes.
2009 habe ich dank einer genialen Gymnasiallehrerin mit meiner Klasse die Venedig Biennale besuchen dürfen. Da stand ich dann mitten in einer Installation der schwedischen Künstlerin Nathalie Djurberg, bestehend aus tropfenden Pflanzen-Skulpturen und verstörenden Claymation-Videos und wusste irgendwie: das ist es. Dieses einzigartige Gefühl treibt mich auch heute noch an.
Wofür braucht die Gesellschaft die Kunst?
Kunst bewahrt uns den Raum, in dem nicht alles unmittelbar verwertbar sein muss – und ist genau darin für die Gesellschaft unentbehrlich.
Mit welchen 3 Persönlichkeiten (tot oder lebend, real oder fiktiv) würdest du gerne zu Abend essen?
Die Frage finde ich genauso spannend wie schwierig, und meine Antwort ändert sich wohl wöchentlich. Aktuell würde ich sagen: die große Diva und Pariser Queer-Icon Dalida; die amüsante belgische Schriftstellerin Amélie Nothomb; und die scharfsinnige Arte-Journalistin Elisabeth Quin. Ich glaube, wir hätten eine tolle Zeit gemeinsam.
Von welchem Kunstwerk warst du das letzte Mal ergriffen?
Ich bewundere die Arbeit des Fotografen Jochen Lempert und habe kürzlich sein Werk The Skins of Alca impennis (1990–) entdeckt. Lemperts Schwarz-Weiß-Fotografien fokussieren sich hauptsächlich auf die Tierwelt, die er gleichzeitig präzise und geisterhalft dokumentiert. Bei dieser Serie handelt es sich um dutzende Abbildungen ausgestopfter Riesenalke – ein Seevogel, der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet wurde. Von diesen schlichten Bildern geht eine traurige, aber gleichzeitig sehr würdevolle Kraft aus, die mich berührt hat.
Welche Ausstellung fandest du zuletzt sehr gut?
An der Lafayette Anticipations Stiftung in Paris habe ich die Arbeiten des jungen französisch-malischen Künstlers Ladji Diaby entdeckt. Er kombiniert in seinen Installationen gefundene Möbel, Alltagsgegenstände, Videos und Popkultur-Elemente zu räumlichen Collagen. Ich bin fast zufällig in seine Ausstellung Who’s Gonna Save The World? reingestolpert und konnte kaum glauben, dass ein erst 26-jähriger Künstler bereits so starke Arbeiten produziert.
Welche*r Künstler*in ist dein guilty pleasure?
Ich glaube nicht, dass es wirklich guilty ist, aber ich bin ein Fan der slowakischen Künstlerin Stanislava Kovalcikova. Sie malt Szenen, die sich schwer greifen lassen – merkwürdig, oftmals voyeuristisch, immer humorvoll, und voller schwer greifbaren Spannungen. Jedes Mal, wenn ich vor einem ihrer Bilder stehe, bin ich fasziniert.
Welchen Beruf hättest du in einem anderen Leben gerne ausgeübt?
Ich interpretiere die Frage großzügig als Chance für einen Spezieswechsel und wähle den Beruf der professionellen Hauskatze. Ich bin jeden Tag beeindruckt davon, wie viel Gegenleistung meine eigene Katze für schlichte Existenz einfordert – da denke ich mir, dass sie es karrieretechnisch echt weit geschafft hat.
Was war der beste Rat, der dir je gegeben wurde?
Mein Vater gab mir den Leitsatz Le ton fait la musique mit auf den Weg: Wie man eine Botschaft rüberbringt, ist genauso wichtig wie ihr Inhalt. Und auch wenn es kein klassischer Ratschlag ist, prägt mich das Zitat von Drag Queen Alyssa Edwards mindestens genauso sehr: Don’t get bitter, just get better.

