Care-Arbeit sichtbar zu machen, lässt sich als eine von vielen sozial- und gesellschaftskritischen Tendenzen der letzten Jahre im Kunstbetrieb beobachten. Der englische Begriff hat in der deutschen Übersetzung viele Gesichter: „Care“ reicht auf dem sorgenden Spektrum von Kummer bis Besorgnis. „Care“ steht für eine bewusste Wahrnehmung, Sorgfalt und Aufmerksamkeit. „Care“ als Kümmern beinhaltet Schutz, Pflege und Anteilnahme. Der Begriff hat viele Facetten, ihnen allen liegt jedoch eine Haltung zugrunde, der Verantwortlichkeit als fürsorgliche Praxis entgegenzutreten.
I care, you care, we all care.
Wie die vielen Arbeiten, die primär von weiblichen Personen ausgeführt werden, geschieht „Care“ häufig immateriell, also schwer messbar. „Care“ wird als gegeben und selbstverständlich angesehen, sind wir doch seit Jahrhunderten so sozialisiert worden, dass sich das unsichtbare caren in unsere DNA eingeprägt hat. Dass dieses System unfair ist und Care-Arbeit besser (oder überhaupt) bezahlt werden sollte, haben in der Theorie inzwischen die meisten (hoffentlich) kapiert. Von der Geschlechter(un!)gerechtigkeit und den anderen Rattenschwänzen des Themas ganz zu schweigen.
In der Praxis stellt die Kunst „Care“ aus. Fragen nach Missständen, strukturellen Problemen und dem Care-Begriff als innovative Praxis werden so verhandelt. Die Ausstellungen locken uns an; von „Care“ sind wir alle betroffen, weil wir sie selbst ausüben oder eben davon profitieren. Also gehen wir weiterhin „Care“-Kunst gucken, because we care about care, right?

